Ciao Mama

Ciao Mama

Premiere: 3. November 2002

 

Odradek, ein unbestimmbares, spulenartiges, von wirren Fäden umwickeltes Wesen in Kafkas Erzählung „Die Sorge des Hausvaters“, hält sich abwechselnd im Treppenhaus, auf den Gängen und im Flur auf. Nicht in der Wohnung. Nicht richtig im Haus, aber auch nicht außerhalb des Hauses. Um den Zustand des Nichtdrinnen und Nichtdraußen geht es in dieser Geschichte. Um das Verlassen des Gewohnten, Geborgenen, ohne zu wissen wohin. Um die Ausreißer, die den Rucksack nehmen, ja anziehen und sagen „so, jetzt geh ich“. „Ciao Mama“.

 

Aber so einfach ist das nicht. Mama geht nämlich im Geiste mit, in Gestalt eines Luftballons einer Blase ... oder als überschwerer Sack, der den Träger mehr mitreißt als von ihm getragen zu werden. Man muss sich von ihr lösen, der Mama.

Der Luftballon platzt, der Sack wird aufgebrochen und verwandelt sich unverhofft in eine blaue Fläche, die zu betreten alle Hemmungen haben. Man wirft etwas. Dann wirft man, was man so mit hat. Mitbekommen hat. So entsteht ein Piktogramm aus verschiedenen Farben, die, diagonal hingespritzt, die Milchstraße und Sonne und Mond, die Wandelsterne darstellen. Dort geht man vorsichtig hinein und verwischt das Bild, wird eins mit ihm, geht durch die nicht mehr ganz blaue Fläche hindurch, verschwindet drinnen und kommt schließlich vereinzelt, wie neu geboren, aber scheinbar defekt, ohne Formung wieder heraus. „In deffectu valor“, sagt Guillaume Postel – im Mangel liegt der Wert, denn in der Unvollkommenheit liegt der Antrieb zur Verbesserung.

 

Da muss man sich selbst zurecht finden in der Welt, und das kann man nur im Zusammenspiel, im Zusammenraufen mit den anderen. Das Spiel kann von Neuem beginnen. Wird es noch einmal das gleiche sein?

 

Idee, Inszenierung und Bühne: Ulrike Kaufmann und Erwin Piplits
Kostüme: Ulrike Kaufmann
Musik: Wolfgang Mitterer, Veronika Simor
Bühnenmalerei: Max Kaufmann, Tonio Nodari
Licht: Michael Illich

 

Das Ensemble: Carlos Delgado Betancourt, Lana Francis Carvalho, Marcelo Cardoso Gama, Ulrike Kaufmann, Mario Mattiazzo, Kari Rakkola, Sandra Rato da Trindade, Gerwich Rozmislowski, José Antonio Rey Garcia, Mercedes Vargas Iribar, Miriam Vargas Iribar